Microsoft stellt die deutsche Cloud ein. Warum?

Deutschland gilt als eines der strengsten und restriktivsten Länder beim Thema Datenschutz und Datensicherheit. Warum wird dann die deutsche Cloud von Microsoft eingestellt? Die Antwort ist einfach.

Bereits in den letzten Monaten wurde es bei Microsoft und auch den Microsoft Partnern, die sich mit der Cloud intensiv beschäftigen immer klarer: es gibt so gut wie keine Nachfrage zur Deutschen Cloud.

Dies hat zwei Gründe: zum einen ist die Deutsche Cloud kostenintensiver als die „normale“ Europäische Cloud und zum anderen ist der Aufwand, um in die Deutsche Cloud von Microsoft zu kommen auf Kunden- und Microsoft-Seite höher.

Deutschland doch nicht so paranoid?

Die scheinheilige Debatte in Deutschland um Datenschutz stößt dann also anscheinend schnell an Grenzen, wenn Budget und Timing ungewöhnlicher sind.

Dies überrascht bei dem großen Aufwand, den Microsoft hier investiert hat. Mit dem aktuellen Wissen würde Microsoft dies sicherlich nicht mehr tun. Die Reputation als datenschutz-getriebenes Unternehmen hat hier jedoch einen sehr positiven Ruf hinterlassen – extra für ein Land eine eigene Cloud einzurichten.

Aus PR-Sicht gesprochen also keine komplette Fehlinvestition. Als Einstiegs-Diskussion und zur Beruhigung der datenschutz-geplagten Verantwortlichen bei Kunden auch sicher sehr willkommen.

Klar ist, dass die Deutsche Cloud von Microsoft – ähnlich wie der Kauf von Nokia vor 5 Jahren (auch wenn der Vergleich hinkt) – eine Fehlinvestition gewesen ist. Vor allem, weil Microsoft mit Azure nun auch ein ebenso GDPR-konformes Äquivalent zur Deutschen Cloud anbietet.

2019 nun wird es also die Deutsche Cloud für Neukunden nicht mehr geben.

Bestandskunden werden hier weiterhin das Angebot nutzen können, jedoch ist unklar in welchem Umfang dies in Zukunft erfolgen kann. AZURE: Microsofts deutsche Cloud wird eingestellt.

In ihrer Stellungnahme bekennt sich Microsoft dazu, die aktuell geltenden Richtlinien der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einzuhalten, siehe Blogeintrag von Microsoft. Das gelte auch für kürzlich eröffnete neue Rechenzentren in Deutschland.

Das Unternehmen verweist dabei auf die eigens erstellten Datenschutzregeln, genannt Microsoft-Trusted-Cloud-Grundsätze. Es kommt positiv hinzu, dass Azure deutlich umfangreicher als die parallel laufende Cloud für Deutschland sei. Neue Dienste und Anwendungen werden primär dafür entwickelt.

Tipp: Lesen Sie hierzu den Beitrag des Autors „CRM aus der Cloud„, sowie den Beitrag „Security – Der Kunde im Mittelpunkt digitaler Prozesse

Autor: Ralf Haberich

Foto Ralf Haberich CRM Partners AG

Kurzbiografie
Ralf Haberich (41) ist seit Juni 2016 Vorstandsvorsitzender der CRM Partners AG in Eschborn. Der Diplom-Betriebswirt verantwortet die Unternehmensführung, dabei schwerpunktmäßig die Bereiche Business Development, Strategisches Partnermanagement und Marketing in der D-A-CH-Region – mit Fokus auf Deutschland. Haberich verfügt über mehr als zwölf Jahre IT- und Digital-Business-Erfahrung und besitzt umfassende Kenntnisse auf den Gebieten digitales Marketing, Neukundenakquise und Customer Engagement. Der passionierte Radsportler ist auch ein gefragter Keynote-Speaker sowie Autor des Management-Buchs „Future Digital Business“.

Kontakt: ralf.haberich@crmpartners.com
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