Mobile Content-Strategie: Was ist relevant?

„Content-Strategie“ wurde vor allem in den letzten Jahren zu einem bekannten Begriff, hinter dem sich ein sehr komplexes Thema verbirgt. Mittlerweile breitet sich dieses Thema sehr stark im mobilen Sektor aus. Denn auch mobil ist eine Content-Strategie äußerst wertvoll.

Der Usability-Experte Dr. Jakob Nielsen rät zur Entwicklung separater Mobile-Websites und speziellen Contents für mobile Geräte. Zu diesem Zweck werden Inhalte und Features reduziert. Inhaltlich bedeutet das kurze und prägnante Formulierungen, um das Wesentliche schneller scannen zu können. Feature-basiert sollte nur eingesetzt werden, was die Performance nicht beeinträchtigt. Auf diese Weise wird eine maximale User-Experience erreicht.

Kurz und knapp oder…
Laut Dr. Nielsen soll für den User im mobilen Kontext nur sichtbar sein, was zum Verständnis auch wirklich relevant ist. Doch was ist relevant und was bedeutet mobiler Kontext? Dieses Thema ist umstritten und führt immer wieder zu heftigen Diskussionen. Auch die Vorgehensweise von Dr. Nielsen wird kritisiert. Grund für die Kritik ist die Basis seiner Annahme, dass Smartphone-User beim Zugriff auf eine Website unterwegs und in Eile sind. Dieser Fall ist durchaus möglich, jedoch inzwischen längst nicht mehr die Regel.

Smartphone-User setzen ihre mobilen Geräte orts- und situationsunabhängig ein. Somit benötigen mobile Surfer meist dieselben Informationen wie Desktop-Anwender. Eine Weiterleitung zur Desktop-Website ist nur dann sinnvoll, wenn diese für mobile Geräte optimiert wurde, da ansonsten die User-Experience verloren geht.

Die optimale Strategie finden

Um die optimale Mobile Content-Strategie für das eigene Unternehmen zu finden, ist es erforderlich, sich intensiv mit der Zielgruppe zu beschäftigen. Hierbei gilt es herauszufinden, welches Ziel der Nutzer erreichen will und welche Informationen er benötigt. Mit diesen Informationen kann entschieden werden, ob ihm der volle Funktionsumfang der Website oder eher eine spezielle Lösung für bestimmte Tasks angeboten werden sollte. Auch eine Kombination ist in manchen Fällen sinnvoll.

An dieser Stelle stellt Responsive Design einen interessanten Ansatz dar. Responsive Design ermöglicht, allen Nutzern die Inhalte einer Website in vollem Umfang bereitzustellen und in Kombination mit einer App oder einer separaten mobilen Website einzusetzen. Darstellung und Inhalte können hierbei flexibel umstrukturiert und an die Bildschirmauflösung des Geräts angepasst werden. Auf diese Weise kann die Website sowohl mit einem Smartphone als auch am Desktop komfortabel genutzt werden.

Zurück zum Content und zur Herausforderung, diesen vorteilhaft einzubinden. Durch die Umstrukturierung und die Veränderungen der Darstellung können erneut Probleme auftreten. Es gilt, die logische Struktur des Contents zu erhalten und wichtige Inhalte auf kleinstem Raum präsent zu platzieren.

Ein weiterer Entwicklungsansatz, der dieser Problematik entgegenwirkt, wurde unter dem Namen „Mobile First“ durch eine Präsentation von Luke Wroblewski bekannt und wird in Kombination mit Responsive Design eingesetzt. Hierbei wird die Entwicklung für mobile Geräte in den Vordergrund gestellt und das entstandene Konzept für Geräte mit größeren Screens und höheren Auflösungen entsprechend angepasst und erweitert. Da bei der Entwicklung des Konzepts Smartphones und Tablet-PCs im Fokus stehen, entsteht durch diese Herangehensweise ein Konzept, das aufgrund des begrenzten Platzes auf das Wesentliche beschränkt wird und die wirklichen Kernelemente der Website herausstellt. Die Beschränkung bezieht sich hierbei nicht nur auf grafische Elemente, sondern kann ebenso auf den Content angewandt werden, indem die Inhalte von Anfang an miteinbezogen werden, und so das Konzept mitformen. Dadurch entsteht ein fokussiertes Konzept mit prägnantem Content, der auch Desktop-Usern zugute kommt.

Abschließend kann festgehalten werden, dass die Definition, was relevanter Content ist, nicht vom Endgerät abhängig gemacht werden sollte. Denn der Zugriff durch ein mobiles Gerät lässt nicht immer auf einen bestimmten Kontext schließen.

Literarischer Tipp:
Leider ist Literatur zum Thema Mobile Content-Strategie bisher rar, allerdings erscheint im Herbst 2012 ein Buch aus der A Book Apart-Reihe mit dem Titel „Content Strategy for Mobile“. Literatur zu Responsive Design und Mobile First wurde bereits bei A Book Apart veröffentlicht und stellt sicherlich eine gute Grundlage dar, wenn auch die Content-Strategie hier nicht direkt thematisiert wird.Literatur

  • Marcotte, Ethan: Responsive Web Design. http://www.alistapart.com/articles/responsive-web-design/ (letzter Zugriff: 14.08.2012)
  • Marcotte, Ethan: Responsive Web Design. http://www.abookapart.com/products/mobile-first (letzter Zugriff: 14.08.2012)
  • Wroblewski, Luke: Mobile First. http://www.lukew.com/presos/preso.asp?261 (letzter Zugriff: 14.08.2012)
  • Marcotte, Ethan: Responsive Webdesign. A Book Apart, New York, 2011
  • Wroblewski, Luke: Mobile First. A Book Apart, New York, 2011
  • Google: http://www.thinkwithgoogle.com (letzter Zugriff: 14.08.2012)
  • Nielsen, J.: http://www.useit.com/alertbox/mobile-vs-full-sites.html (letzter Zugriff: 14.08.2012)
  • Nielsen, J.: http://www.useit.com/alertbox/mobile-writing.html (letzter Zugriff: 14.08.2012)
  • Wachter-Boettcher, S.: http://sarawb.com/2012/03/07/content-strategy-responsive-design/ (letzter Zugriff: 14.08.2012)

Autor: Christian Reschke

Dipl. Ingenieur Christian Reschke ist Vorstand der kuehlhaus Aktiengesellschaft mit Sitz in Mannheim. Insgesamt dreißig feste und diverse freie Mitarbeiter konzipieren, entwickeln und gestalten innovative E-Business Anwendungen für die Bereiche B2B und B2C. Das Know-how der kuehlhaus AG umfasst außerdem die Umsetzung klassischer Internet-Auftritte, die Entwicklung von interaktiven Werbebannern und Spielen, Intranet-Lösungen sowie die Implementierung von Content Management Systemen. Das Leistungsangebot beinhaltet darüber hinaus alle Elemente der klassischen Werbung, bis hin zur Corporate Identity.

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