Umsatzbringer oder Ressourcenfresser: Social Media für KMU – lohnt sich das?

Der Begriff „Social Media“ ist derzeit in aller Munde, doch stellt sich besonders bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) oft die Frage, inwieweit ein Engagement in diesem Bereich sinnvoll ist. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen finden sich auf Facebook, Xing und Twitter wieder. Doch nur wer die richtige Strategie zugrunde legt, wird als KMU mit Social Media erfolgreichen Mehrwert für das eigene Unternehmen schaffen.

Warum soll ich da überhaupt mitmachen?
KMU, die erfolgreich im Sozialen Netz starten wollen, sollten sich zuerst ihre Ziele vergegenwärtigen. In sozialen Netzwerken wie Facebook oder auf Meinungsplattformen wie Qype wird über Unternehmen geredet, wahrscheinlich auch über Ihres. Nutzer tauschen sich aus, bewerten ihre Erfahrungen mit Unternehmen und teilen anderen ihre Meinung mit. Für Sie als Unternehmen bedeutet das zum einen kostenloses Feedback zu Ihren Produkten und Leistungen, zum anderen bietet es Ihnen die Möglichkeit, auf Wünsche und Kritik direkt reagieren zu können.

Ein gutes Beispiel für eine Facebook-Präsenz finden Sie bei „Walthers Säfte“ aus Arnsdorf. Das Unternehmen berichtet regelmäßig aus dem Produktionsalltag, stellt Saftrezepte vor und tritt in den Dialog mit seinen Kunden. Im angegliederten „Saftblog“ werden Themen aus der Branche diskutiert und im Rahmen der Aktion „Saftverschmecker“ wurden Saftverköstigungen von echten Fans durchgeführt, auf Video aufgezeichnet und die Videos zur Abstimmung als Gewinnspiel eingestellt.

Medienübergreifend werden Blog, Post und Videos auf Facebook und der Firmenhomepage integriert. Im integrierten „Saftladen“ können Saftbestellungen sogar als Abonnement eingerichtet werden. Social Media wurde hier als neuer interaktiver Support-, Vermarktungs- und Vertriebskanal eröffnet.

Im Austausch mit Ihren Interessenten sollten Sie keine Angst vor negativer Kritik haben, denn Sie können durch kompetente Antworten Ihr eigenes Image stärken, wenn Ihre Kunden sehen, dass Sie offen mit Kritik umgehen können. Die Stärkung Ihres eigenen Images gilt durchweg als positiver Nebeneffekt Ihrer Social-Media-Bemühungen, da Sie sich als modernes Unternehmen präsentieren, das sich in den sozialen Netzwerken auskennt und auch dort als Ansprechpartner für seine Kunden bereitsteht.

Womit fange ich an?
Oft scheuen kleinere Unternehmen den zusätzlichen Personal- und Zeitaufwand für den Einstieg in den „Social Media“-Bereich, insbesondere im Hinblick auf die Vielzahl an zur Verfügung stehenden Plattformen. Unser Tipp: Fangen Sie klein an! Überlegen Sie sich zuerst, welche sozialen Netzwerke oder Plattformen für Sie überhaupt infrage kommen: Wo sind Ihre Mitbewerber bereits aktiv? In welchen Bereichen haben Sie oder Ihre Mitarbeiter bereits Erfahrungen gesammelt? Gibt es für Ihre Branche spezielle Foren oder Plattformen?

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Wahl der richtigen Plattform ist die Art der Inhalte, die Sie im Sozialen Netz veröffentlichen wollen. Falls Ihnen beispielsweise eine aktive Kundenbindung durch Gewinnspiele, Wettbewerbe oder andere Aktionen wichtig ist, bietet sich wahrscheinlich die Facebook-Plattform an, da Sie hier sehr flexibel verschiedene Arten von Inhalten präsentieren können. Als Shopanbieter haben Sie die Möglichkeit, Rabattcodes nur für Ihre „Fans“ anzubieten. Oder vielleicht suchen Sie ja nach Testern für Ihre Produkte? Dann fragen Sie doch einfach mal Ihre Fans, wie es beispielsweise die Kollegen von Hundeshop.de auf ihrer Facebook-Seite sehr erfolgreich praktizieren. Die Shopbetreiber aus Hessen schätzen insbesondere die Möglichkeit der direkten Kommunikation mit ihren Kunden sowie die persönlichere Art des Kontakts. Inhaberin Heidi Spieth betont zudem vor allem die Chancen, die sich auch kleineren Unternehmen im Social-Media-Umfeld bieten: „Wir haben eine zusätzliche Fangemeinde mit fast hundertprozentiger Zielgruppengenauigkeit etablieren können. Darüber hinaus hilft uns die Kommunikation mit den Fans, uns selbst, die Kundenwünsche und auch einzelne Produkte besser einschätzen zu können.“

Wie gehe ich als regionaler Anbieter vor?
Social Media besteht nicht nur aus internationalen Netzwerken wie Facebook und Twitter, sondern es gewinnen auch regional fokussierte Angebote durch Empfehlungsverbreitungen immer mehr an Bedeutung. Falls Sie an einem oder mehreren Standorten Niederlassungen mit regelmäßigem Publikumsverkehr betreiben, sollten Sie sich auch Bewertungsportale wie Qype oder Yelp ansehen. Dort haben Ihre Kunden die Möglichkeit, nach ihrem Besuch eine Bewertung Ihres Unternehmens und Ihrer Produkte und Dienstleistungen zu hinterlassen.

Durch die Ausrichtung dieser Plattformen auf mobile Geräte kann dies sogar direkt vor Ort passieren, sodass Sie durch einen Hinweis im Verkaufsraum (Aufkleber/Plakat) bereits aktiv auf diese Möglichkeit hinweisen und somit Ihre Kunden um Feedback bitten können. Zusätzlich haben Sie auf manchen Plattformen wie Qype oder Friendticker auch die Möglichkeit, Ihren Besuchern besondere Vorteile anzubieten, die sich mit ihrem Mobiltelefon vor Ort „einchecken“. Die Restaurantkette Vapiano bietet beispielsweise über Foursquare dem Kunden mit den meisten Check-ins in einem Restaurant eine kostenlose Kaffeespezialität. Durch diese Aktion und die damit verbundenen Blog- und Facebook-Meldungen hat Vapiano auf einfache Art ein positives Feedback im Sozialen Netz erzeugt. Die ausgeschüttete Menge an Gratis-Kaffee durch diese Aktion kennt nur Vapiano selbst.

Inhouse oder Agentur?
Nach der Entscheidung für eine Plattform sollten Sie sich bereits im Vorfeld auch darüber Gedanken machen, in welcher Form Inhalte über soziale Netzwerke veröffentlicht werden sollen und wer in Ihrem Unternehmen dafür zuständig sein wird. Mit diesen Voraussetzungen können Sie sich dann auf die für Sie wichtigen Plattformen konzentrieren und sich vergleichbare Angebote für die Umsetzung bei verschiedenen Dienstleistern einholen, sofern Sie Ihr Social Media Marketing nicht inhouse allein starten wollen. Agenturen können sowohl für die Startphase zu Hilfe geholt werden als auch für die dauerhafte Betreuung. So kann man sich zum Beispiel eine Facebook-Fanpage mit Willkommensseite und Gutschein-Bereich programmieren lassen, die man jedoch im späteren Verlauf selbst pflegt. Ebenso können Sie für regelmäßige Beiträge bis hin zur Frage-Beantwortung auf der Pinnwand einen Dienstleister beauftragen. Wie auch immer Sie vorgehen: Wenn Sie erste Erfahrungen gesammelt haben, wird Ihnen der Einstieg bei weiteren Plattformen bereits viel leichter fallen.

Fazit:
Der Bereich „Social Media“ bietet viele neue Möglichkeiten für Ihr Unternehmen und gibt Ihnen die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit Ihren Kunden zu treten und deren Wünsche besser beurteilen zu können. Mit ein wenig Planung im Vorfeld wird es Ihnen leichtfallen, den ersten Schritt zu wagen und Ihr Unternehmen auf den richtigen Weg in die digitale Zukunft zu bringen.

Autor: Tim Bongers

Tim Bongers ist Leiter Webprogrammierung bei FAIRRANK Deutschland GmbH.