Markt für Online-Services im Wandel

ASP-Lösungen schienen bereits im Jahr 2000 vor dem Durchbruch zu stehen – doch mit dem Platzen der New-Economy-Blase verschwand das Thema aus den Schlagzeilen. Mittlerweile erfreuen sich webbasierte Services zunehmender Beliebtheit, das Geschäft hat sich zu einem soliden Business entwickelt.

Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Online Services, welche Parameter definieren diesen Markt, welche Einflussfaktoren bestimmen die Akzeptanz?  Ein Blick zurück kann helfen, Entstehungsgeschichte und Sachverhalte zu verstehen und für die Zukunft zu positionieren. 

Begriffe wie Application Service Providing (ASP), Application On Demand, Software as a Service und webbased Services werden häufig verwendet, ohne dass sich dem Leser deren Bedeutung vollends erschließt. Und doch haben sie doch eines gemeinsam: Die Bereitstellung von Anwendungen als Service über das Netz, also Online Services

Bereits in den 60er und 70er Jahren gab es einen höchst erfolgreichen Vorläufer heutiger Online Services: Unter dem Schlagwort „zentrale Datenverarbeitung“, stellten Unternehmen damals mittels großer Mainframe-Systeme zentrale Rechenleistung zur Verfügung, um Anwendungen für unterschiedlichste Kunden zentral bereitzustellen.

Mit dem Siegeszug der PCs wurde dieses Modell Anfang der 80er abgelöst durch die „dezentrale Datenverarbeitung“, Client-Server-Architekturen wurden in dieser Zeit zum Maß aller Dinge. Beiden Modellen waren jedoch aufgrund eingeschränkter Vernetzungsmöglichkeiten und Übertragungsbandbreiten enge Grenzen gesetzt, zudem bescherten eigenbetriebene Client-Server Lösungen den Unternehmen neben funktionalen Risiken oftmals schwer kalkulierbare Betriebskosten.

2000: ASP als Opfer der eBusiness-Blase
Erst mit dem Siegeszug des Internets in den 90er Jahren eröffneten sich neue Möglichkeiten. Kein Wunder also, dass zur Jahrtausendwende die Software-Bereitstellung über das Internet Furore machte. Applikation Service Providing wurde zum Hype des Jahres 2000, Analysten prophezeiten schier unendliche Umsatzperspektiven, das Ende der dezentralen IT war absehbar.

Doch mit dem Platzen der e-Business-Blase schwand am Markt die Begeisterung für ASP so ebenso schnell wie sie gekommen war. Damals war die Zeit noch nicht reif, gab es in dieser Zeit und anders als heute, so gut wie keine wirklichen Web Applikationen. Versuche,  typische Client-Server-Applikationen mittels Terminal-Server-Lösungen zu ASP-Anwendungen zu mutieren, scheiterten oftmals technologisch oder an den damit verbundenen Kosten.

Aber damals zeigte sich auch noch ein anderes Phänomen: Insbesondere mittelständische Unternehmen als erste Zielgruppe für Online-Services standen diesem Geschäftsmodell mehrheitlich kritisch gegenüber, ihre Ablehnung wurde vorrangig mit Sicherheitsbedenken argumentiert, auch wenn dies für die Anbieterseite nicht immer nachvollziehbar war. Letztendlich fehlte es den Kunden häufig genug an Vertrauen, die eigenen Daten einem externen Dienstleister anzuvertrauen.

Gegenargumente, etwa dass doch auch das eigene Geld auf der Bank verwahrt wird, konnten daran wenig ändern. Aus diesem Umstand leitete sich die größte Herausforderung auf Anbieterseite ab, durch Aufklärung genau dieses Vertrauen aufzubauen und den Sicherheitsbedenken zu begegnen. Verbände wie eco als Verband der deutschen Internetwirtschaft haben sich dieser Aufgabe gestellt und mittels Roadshows, Datacenter Zertifizierungen und ASP Awards aus unternehmensneutraler Position am Markt massive Aufklärungsarbeit geleistet.

Offensichtlich haben diese Verbandsinitiativen, unterstützt durch breit angelegte Marketingkampagnen insbesondere zu On Demand (IBM) und SaaS (Microsoft) dem Modell der Online Services geholfen, den Markt zu öffnen.

Seit einigen Jahren erleben diese Services nun eine Renaissance – und dies trotz oder geraden wegen der ständig steigenden Komplexität der Soft- und Hardware und den damit verbundenen Pflege- und Betreuungsaufwenden. Allerdings sprechen auch die immer günstiger werdenden Rahmenbedingungen wie breitbandiges Internet zu adäquaten Kosten oder etablierte Sicherheitstechnologien für dieses Geschäftsmodell. Immerhin erlauben Online-Services den Unternehmen

  • eine Fokussierung auf Kernkompetenzen
  •  Kapitalbindung und Investitionsrisiken zu vermeiden und durch plan- und kontrollierbare Kosten zu ersetzen
  • eine Minimierung des Einführungsaufwandes neuer Anwendungen
  • eine Aktualitätsgarantie für Hard- und Software

Auch lässt sich mittlerweile feststellen, dass das Interesse an Online-Services überall dort besonders ausgeprägt ist, wo es auf schnelle, standort- oder länderübergreifendes Kommunikation und Interaktion ankommt. Dabei zeigen sich zwei unterschiedliche Tendenzen: während viele Unternehmen ihre vertikalen Anwendungen (Produktion, Entwicklung) in der eigenen Hand behalten wollen, gehen sie auf der anderen Seite zunehmend dazu über, Online-Services für horizontale Anwendungen einzusetzen. Damit bedienen sie Standardprozesse zum Beispiel für Vertrieb, Buchhaltung oder Personalwirtschaft. Auch für Anwendungen, die einer Optimierung der Zusammenarbeit dienen, also das Dokumenten- und Knowledge-Management, Web Conferencing oder Groupware sind in diesem Umfeld zunehmend gefragt.  Kleinere Unternehmen mit weniger komplexen Strukturen interessieren sich hingegen eher für Online-Services, die alle betrieblichen Prozesse abdecken.

2007: Erfreuliche Aussichten
So erschließen internetbasierte ASP-Services Optimierungspotentiale, die noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wären: Unternehmensinternes Know-how wird auch bei (überregional / global) verteilten Unternehmenseinheiten gleichermaßen verfügbar, eine interne und externe Kommunikation wird mittels Web-Konferenzen effektiver und schneller, der Vertrieb profitiert von transparenten Vertriebsprozessen, ASP gestütztes Projektmanagement unterstützt Realisierungsprojekte, die Zusammenarbeit mit Partnern wird optimiert und beschleunigt, Lieferketten und Warenflüsse sind per Knopfdruck transparent, buchhalterische Abläufe werden beschleunigt, Finanzstati und Werteflüsse sind stets aktuell, um nur einige Vorteile zu nennen. Alle Beispiele zeigen auf, dass mit Online Services die Arbeitseffektivität gesteigert und direkte, messbare Kosten ebenso wie indirekte, versteckte Kosten minimiert werden können.

Im Fazit also recht erfreuliche Aussichten für Kunden und Interessenten, sich ohne Investitionen und Kapitalbindung Möglichkeiten zu erschließen, in einem zunehmend globalen Wettbewerb zu behaupten. Und letztendlich auch eine interessante Perspektive für die Anbieter von Online Services..

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Autor: Bernd Becker

Bernd Becker befasst sich als Business Manager ASP bei der Siemens AG mit dem Thema Online-Services. Daneben engagiert er sich als Vorstand ASP Online Services bei eco, für dieses Themengebiet, das er bereits seit 1999 begleitet.