Neue Mitarbeiter für neue Kunden?

Viele Unternehmen folgen heute dem Trend zu mehr „Kundenorientierung“ oder besser „Kundennutzen-Orientierung“. Gleichzeitig herrscht allerorts Fachkräftemangel. Doch neue Mitarbeiter und bessere Kundenbeziehungen, geht das überhaupt? Meistens wird doch viel kaputt gemacht, sagt man. Was ist dran an dieser Einschätzung?

Zufriedene Mitarbeiter – hohe Kundenorientierung

Mein Fazit vorab: Den Kampf um die wirklichen guten Mitarbeiter werden nur die Unternehmen gewinnen, die das beste Konzept für die Belegschaft haben. Hierzu zählen nicht nur Lebensstandard, Arbeitszeit und Qualifizierung. Sondern auch das Unternehmensimage, die Zufriedenheit der Mitarbeiter und die soziale Verantwortung des Unternehmens. Unternehmen, die diese Werte transparent kommunizieren und dann auch nachweisen, liegen gut im Rennen.

Ein weiterer, sehr zentraler und doch häufig unterschätzter Aspekt im „War of talents“: Spaß an der Arbeit ist ein wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel. Denn gut aufgelegte Mitarbeiter haben kein Interesse zu wechseln. Und vor allem: sie ziehen neue Mitarbeiter an! Gut motivierte Mitarbeiter – zum Beispiel im Vertrieb – verfügen in der Regel auch über eine hervorragende Kundenorientierung und bauen gute Kundenbeziehungen weiter aus.

Die guten alten Zeiten

Wenn man vielen alten Hasen glaubt, war früher alles besser. Aber es ist die Eigenart von uns Menschen, dass wir zumeist nur die positiven Dinge der Vergangenheit verinnerlichen und die negativen in einem entfernten Winkel unseres Gedächtnisses verstecken.

Das passiert nicht nur bei der Arbeit, sondern sogar im Urlaub. Nehmen Sie beispielsweise die ein oder andere zufällige Urlaubs-Bekanntschaft, die erklärt, warum es gerade hier so schlecht ist und wie schön es doch da und da gewesen ist? Ob da wirklich eitel Sonnenschein gewesen ist? Heute ist es bei der Mitarbeitersuche ähnlich: die Massen von Bewerbungen werden vermisst und die Chancen für motivierte und qualifizierte Mitarbeiter nicht wahrgenommen.

Klasse statt Masse

Was bei den früheren Zuwandererwellen von den Ruhrpolen Ende des 19. Jahrhunderts, den Gastarbeitern Anfang der 60er Jahre und den Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien in den 90er Jahren noch weniger Bedeutung hatte, ist heute für den Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa existenziell.

Die Verluste an Arbeitsplätzen, die uns von Schwarzmalern der Digitalisierung angedroht werden, sind auch bei früheren Industrierevolutionen schon angekündigt worden. Sie unterschlagen jedoch die vielen Jobs, die neu entstanden sind und neu entstehen. Und sie unterschlagen auch die Notwendigkeit – mit Blick auf die Mitarbeiter – für Verbesserungen zu sorgen. Etwa in Bezug auf Lebensstandard, Arbeitszeit und Qualifizierung. Punkte, die gerade heute immer wichtiger werden.

Kommet her zu mir

Menschen in wirklichen Religionsgemeinschaften haben viel mit Menschen in wirklichen Unternehmen gemeinsam. Sie gehen gern in diese Gemeinschaft, in dieses Unternehmen, sie fühlen sich wohl, sie arbeiten vertrauensvoll zusammen, sie vertreten ihre Gemeinschaft nach außen und sie akzeptieren andere Gemeinschaften. Dazu müssen sie nicht einmal „mühselig und beladen“ sein (Matthaeus 11.28), um den Vers der Überschrift zu komplettieren.

Unternehmen, die diese Voraussetzungen nicht schaffen, haben große Probleme in der Personalgewinnung. So können Sie heute – und noch vermehrt in der Zukunft – ihre oft guten Ideen am Markt nicht verwirklichen.

Menschenfischer

Um beim religiösen Vergleich zu bleiben: Das „Gewinnen“ von Mitarbeitern für ein Unternehmen wird die Aufgabe der Zukunft: die Personalabteilung bekommt einen neuen Mitarbeiter oder die Marketingabteilung eine neue Aufgabe. Recruiting Marketing bedeutet nicht nur Werbung für neue Mitarbeiter zu planen und umzusetzen. Es muss auch dafür sorgen, dass ein Unternehmen über eine positive Identität verfügt.

CSR oder soziale Verantwortung eines Unternehmens bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Mitarbeiter sich verwirklichen können, dass die Prozesse im Unternehmen umweltbewusst verlaufen und dass ein Unternehmen sich in die regionale Gemeinschaft in seinem direkten Umfeld positiv einfügt. Es ist viel mehr als die Regenwaldkampagne, die uns vor ein paar Jahren von einer großen deutschen Brauerei erreicht hat.

 

Autor: Helmut König
Kontakt zum Autor: koenig@koenigskonzept.de

Helmut König

 

 

 

 

 

Profil Autor: Helmut König, geboren 1954 und wohnhaft in der Nähe von Frankfurt/Main arbeitet als Unternehmensberater mit der Spezialisierung Marketing, Vertrieb und Vertriebsorganisation. Sein Wissen kommt aus seit 1980 in verschiedenen Unternehmensbereichen gesammelter Vertriebs- und Marketingerfahrung, seit 2004 ist er selbstständig tätig. Er berät Unternehmen zu diesen Themen, schreibt Fachartikel dazu und gibt sein Wissen durch Seminare und Vorträge weiter.